Auf Reisen
Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sodern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen. (Marcel Proust)

Unterwegs in Deutschland

Bad Driburg
Ein Glied in der Kette von Generationen

Mittwochs ist in der „Tenne“ Damenwahl. Ab halb acht steht „Driburg unter Dampf“, vorausgesetzt, die Bahnschranke ist offen, damit die Gäste rechtzeitig von Bad Driburg nach Stadt Driburg kommen. Schuld waren die Ingenieure der Königlich-Westfälischen Eisenbahn, die für den Altenbekener Viadukt 1853 „so schrecklich viele Taler verbraucht“ hatten, daß die Gleise für die Linie...


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Ahrenshoop
Die schönen Tage von Ahrenshoop

Zuerst ist besetzt. Dann soll man warten. Und schließlich ist der junge Mann mit der Nummer 1188 frustriert. Sein Gerät zeigt keine Reaktion. Auf die Stichworte „Kurverwaltung“, „Verkehrsamt“, „Zimmernachweis“, „Touristinformation“, „Fremdenverkehrsbüro“ sprechen weder er noch sein Computer an. Achtzehn Monate nach dem Fall der Mauer...


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Dornburg
Erinnerungen eines »aufsehenden Erklärers«

Der Freitag war ein Ritual. Nach der Vorlesung wurden Lebensmittel gekauft. Zu Hause suchte man die Klamotten zusammen. Mit kleinem Gepäck ging es zum Jenaer Saalbahnhof. Dort wartete man auf den Personenzug aus Saalfeld. Manchmal kam er pünktlich, oft genug auch nicht. Was einst zweigleisig war und später auf ein Gleis demontiert wurde, forderte Tribut...


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Dresden
Betrachtet vom Dresdner Balkon

Hier oben ist der Thron von Dresden. Hier erreicht die Straße von Dresden und Loschwitz die Höhe des Berges. Hier ist „Dresden-Bad Weißer Hirsch". Hier sind der Stechgrund und die Stechgrundstraße. Hier ist man am Anfang am schlimmen Ende und am Ende vielleicht am guten Anfang. Hier steht man in einer untergegangenen Welt. Hier ist alles verkommen und verlassen...


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Fleesensee
Ganz nah, weit weg

Zwei Stunden von Berlin oder Hamburg wurde vor fünf Jahren inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte zwischen der Inselstadt Malchow und der Müritzmetropole Waren mit dem „Land Fleesensee“ Nordeuropas größte Ferienanlage mit Golfplätzen, Spa, Dorfhotel und Robinson-Club kreiert. Zusammengehalten wird das zeitgeistige Ensemble kurioserweise durch...


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Freyburg
Zu Ente mit Klößen Wein von Saale und Unstrut

Als das Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau zum Kongress über den „Städtebaulichen Denkmalschutz in den neuen Ländern“ bat, schlugen die Bonner die Stadt Naumburg kurzerhand dem Land Thüringen zu. Als Bundesministerin Irmgard Schwaetzer dann auch noch von der „Straße der Romantik im Land Sachsen-Anhalt“ sprach, war im Saal nur noch Gelächter...


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Lutherstadt Wittenberg
700 Jahre Wittenberg

Er ist dreiundzwanzig und gelernter Förster. Kaum war er mit der Lehre fertig, wurde er entlassen. Jetzt ist er nebenberuflich Küster in der Schlosskirche zu Wittenberg. Seine protestantische Mutter hat in einem katholischen Altersheim Arbeit gefunden. Der Vater ist Planungsingenieur und seit zwei Jahren arbeitslos. Seine Bewerbungen kommen zurück, weil er "überqualifiziert" sei...


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Moritzburg
Wein und Musik erfreuen das Herz

Vierzehn Jahre sind eine lange Zeit. Damals im Herbst 1991 wagte ich mich in der Elbmetropole nur auf den Dresdner Balkon. Was sich unten bot, war hinlänglich bekannt, die Prager Straße, der Altmarkt, die zweite Zerstörung Dresdens, eine städtebauliche wie architektonische Bankrotterklärung des Sozialismus. Auf den Höhen des Stadtteils „Weißer Hirsch"...


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Reinbek
Draußen vor dem Tore

Wenn Orte als das äußerste Ende einer Spitze angesehen werden, dann können Vororte doch nur am Anfang des äußersten Endes einer Spitze liegen. Wenn Orte der Platz sind, die Stelle, der Punkt, das Zentrum, dann haben Vororte etwas Zweitklassiges. Wer will sich denn schon von anderen sagen lassen, daß Vororte für denjenigen geschaffen sind, „der die Ruhe ebenso braucht...


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Sonneberg
Das Erbe der früheren Welthauptstadt des Spielzeugs

Nach langen Jahren erfüllte sich Dorothea Merz endlich ihren Traum und stieg gemeinsam mit ihren beiden Söhnen auf den Chimborazo. Rechtzeitig hatte sie ihren Freunden in Grünitz jenseits der Grenze geschrieben, daß sie abends um neun oben auf dem Gipfel ein Feuer machen wolle, um die Zurückgebliebenen zu grüßen. Drüben standen diese dann mit dem Fernglas am Fenster...


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Zerbst
Katharinas weiter Weg zurück nach Hause

Zerbst hat es nicht leicht. Ihr Gesicht verlor die Stadt, die vor gut fünfzig Jahren noch als das anhaltinische Rothenburg ob der Tauber gepriesen wurde, in den letzten Kriegstagen. Weil ein SA-Mann dem "Führer" bis zuletzt die Treue halten und den Amerikanern vor den Stadttoren keine weiße Fahne zeigen wollte, versank alles Schöne in Schutt und Asche...


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