Auf Reisen
Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sodern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen. (Marcel Proust)

Wanderungen in Brandenburg

Das dreigeteilte Denkmal

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn schrieb an den brandenburgischen Ministerpräsidenten, dass „wir an der Verkehrsstation nichts tun, weil es sich nicht lohnt. Schmutzecke bleibt Schmutzecke“. Ministerpräsident Matthias Platzeck und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs hätten ihm „seinerzeit Unterstützung zugesagt“, das Gebäude abzureißen und den Vorplatz herzurichten...


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Das Schmettausche Kartenwerk

Am Unglückstage von Auerstedt, unglücklich nicht durch seine Schuld, so Fontane, erstürmte er, an der Spitze seiner Bataillone, die Höhen von Hassenhausen, die der Feind unterm Schutz eines herbstlichen Morgennebels schon vor ihm besetzt hatte. Zweimal nahm er sie und zweimal war er gezwungen, sie wieder aufzugeben. Als er sich zum dritten Angriff anschickte, traf ihn eine Kartätschenkugel...


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Das Schwein unter den Fischen

Geräuchert erregt er großes Erstaunen, geliert aufrichtige Bewunderung, gebacken stille Befriedigung, gebraten lauten Beifall und gebläut inniges Entzücken. Das Schwein unter den Fischen, wie der Karpfen wegen seiner nicht gerade wählerischen Freßsucht auch genannt wird, kommt ab September auf den Markt, erlebt um Silvester seinen Höhepunkt und bekommt mit dem Mai seine Schonzeit...


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Die Kirche muss im Dorf bleiben

Weil „Seine Majestät in der letzten Zeit zu wiederholten Malen bei Kirchen die Basilikenform anzuordnen geruht haben", die bekanntlich konsequent nach altchristlichen Vorbildern in die Potsdamer Insellandschaft gesetzt wurden, blieben dem Architekt des Königs auch für den Bau der Caputher Kirche wenig Variationen. Als Friedrich August Stüler am 19. Februar 1847...


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Die Zeit der Schlösser ist vorbei

Was für Hoffmann von Fallersleben noch von der Maas bis an die Memel reichte, hat heute achtzig Kilometer hinter Berlin sein Ende. Wo einst die Oder die Mittelachse des Deutschen Reiches markierte, verläuft nun die deutsch-polnische Grenze. Die Reichshauptstadt, früher in der Mitte Preußens und Deutschlands gelegen, ist als Bundeshauptstadt an den östlichen Rand gedrängt...


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Diesseits und jenseits des Schwielowsees

Willi Aftring ist neunzig. Als Junge fuhr er auf dem Kahn seines Vaters die Havel rauf und runter. Als junger Mann handelte er mit Obst und Eiern. Als das nichts mehr einbrachte, ging er zur Post. Er wurde Briefträger. Als Albert Einstein im Jahre 1928 das alte Fischerdorf Caputh zu seinem Sommersitz wählte und der Architekt Konrad Wachsmann für die Familie ein Holzhaus nebst einem Anbau geschickt...


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Doppelfleisch mit einfacher Sättigungsbeilage

Der eine kommt aus dem badischen Donaueschingen, der andere aus Mühlheim an der Ruhr und der dritte aus dem fränkischen Coburg. Sie alle rechnen sich zur „aufgeklärten linken“ Szene und erzählen von den westfälischen Grafschaften, vom Fürst zu Fürstenberg und vom Herzogtum Coburg. Sie sind engagierte Zeitgenossen und interessieren sich für alte und neue Geschichte...


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Ein alter Hut

Viel ist nicht mehr da von jener schwungvollen Dynamik des Architekten Erich Mendelsohn: Der Einsteinturm in Potsdam, das Berliner Gewerkschaftshaus in der Alten Jakobstraße und die 1981 nachgebaute Kopie des Universum-Filmtheaters von 1928, in dessen Mendelsohnscher „Raummaschine“ die Schaubühne am Lehniner Platz residiert...


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Ein Fest auf dem Lande

Wer den Namen Badingen hört, denkt an die schönsten Flecken in Schwaben und Baden, wo die häuslebauenden Alemannen ständig für Mehrwert sorgen und ein „ingen" einfach zum guten Ton eines Ortes gehört. Dieses Badingen aber liegt in der Mark Brandenburg und ungefähr da, wo das Ruppiner Land an die Uckermark grenzt. Die B 96 führt nahe vorbei...


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Füll deinen Beutel mit Geld

„Die Bülows und die Arnims sind zwei ausgezeichnete Familien, aber wenn sie morgen von der Bildfläche verschwinden, ist es für Preußen ganz gleichgültig, und die Müllers und Schultzes rücken in die leergewordenen Stellen ein.“ Theodor Fontane konnte 1894 nicht ahnen, daß die Bülows fünfzig Jahre später tatsächlich verschwinden mussten. Im April 1945 rückten in Groß Ziethen...


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Für die S-Bahn wird es ganz eng

Es war beileibe kein Scherz, als ein Anwalt vor einem Jahr zum Fasching verkündete, dass die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz „die Wiederinbetriebnahme der Friedhofsbahn zwischen Wannsee und Stahnsdorf vor dem Berliner Landgericht gerichtlich erzwingen will“. Halten wir uns an die bekannten Fakten: Regierungsbaumeister Roloff teilte 1914...


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Große Verwirrung um Zehrendorf

Neu sind sie alle. Aktualisiert immer. Völlig aktualisiert obendrein. Und weil das alles noch nicht auszureichen scheint, sind sie mitunter auch „Neu aktualisiert". Gewöhnliche Leute kommen „schnell und sicher ans Ziel". Auserwählte Menschen „führen Sterne zu den schönsten Plätzen". Weil Straßenkarten und Atlanten in der Regel „konsequent auf die Bedürfnisse der Autofahrer abgestimmt"...


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In Saarow ist nichts

Über dem Kiefernwald ballten sich schwere, schwefelfarbene Wolken zusammen, die sich rasch ins Blauschwarze verfärbten. Stoßweise fielen heiße Böen ein, immer wieder von Augenblicken totaler Windstille unterbrochen. Plötzlich aber war alles taghell erleuchtet, und im gleichen Augenblick kam der Donner: ein trockenes, erst knisterndes und dann betäubend anschwellendes Krachen...


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Kleiner Mann – was nun?

Aus Anna wurde Suse und aus Rudolf wurde Hans und beide zusammen wurden als Lämmchen und Pinneberg weltbekannte literarische Figuren. Mit dem Ertrag von „Kleiner Mann - was nun?“ kauften sie sich im mecklenburgischen Carwitz die Büdnerei Nr. 17. Da wurde noch vor dem Winter 33/34 jene große Veranda angebaut, durch deren Glasfenster sich noch jeder Besucher einen Blick...


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Komm nach Caputh, pfeif auf die Welt

Als der Architekt Konrad Wachsmann erfuhr, daß Albert Einstein ein Domizil in der Natur suchte, offerierte er dem Querdenker ein Holzhaus aus vorgefertigten Teilen, dessen „Festigkeit und Dauerhaftigkeit" er trotz „Leichtigkeit der Konstruktion" garantierte. Die Baubeschreibung zur „Errichtung eines Landhauses für Herrn Professor Dr. Einstein" wurde bei der Gemeinde Caputh...


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Mein dickes Segelschiff

Segeln, das war es, worauf Albert Einstein Lust hatte, keine aufwendige Technik, einige Handgriffe und das Wissen um Wind und Wellen. Da er kein eigenes Boot hatte, segelte er bei Freund Katzenstein, auf dessen „graziösem Segelschiffe“ 1927 noch kein Motor eingebaut war. Die Flaute kam, Einstein ruderte, und hatte sich so überanstrengt, dass er mit einer Herzbeutelentzündung...


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Mit Effi Briest in die Ewigkeit

Wie sah es denn aus? Bungalows, Baracken und Beton rund um die Krakower Seen. Bolzplatz und Datschen in Demerthins Renaissanceanlage. Heizungsrohre in den Marmorkaminen von Schloß Rheinsberg. Kiefernholzverschalte Wände in den barocken Räumen des Arnimschen Schlosses in Wiepersdorf. Plattenbauten neben Schinkels Neuhardenberger Herrenhaus...


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Mongolenkloster über Fontanes Landschaft

Wie Buda und Pest oder Köln und Deutz ein Doppelgestirn bilden, so auch Caputh und Petzow. Die beiden Orte diesseits und jenseits des Schwielowsees waren bereits für Fontane „eine höhere Einheit". Schön liegen sie beide, „doch ist Petzow hierin weit überlegen, sowohl seiner eigenen unmittelbaren Erscheinung, als dem landschaftlichen Rundblick, den es gestattet".


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