Eduardo Alves da Costa

Gefragt, worauf er am ehesten verzichten könne, antwortete Eduardo Alves da Costa kürzlich dem Kunstsachverständigen einer deutschen Tageszeitung: „Auf alle Käfige.“

Diese doppelbödige Antwort, schwebend zwischen Absurdität und Realität, ist für den Brasilianer typisch. Wer bei seinen Arbeiten länger verweilt, erfreut sich vor allem an den verblüffenden Kombinationen von Personen und Elementen, Kombinationen, ebenso schlicht wie exzeptionell, die selbst Samuel Beckett erfreuen könnten. Die Bilder von Eduardo Alves da Costa sind – wie Becketts Stücke – nichts anderes als Spiele und Spielereien, die in der Verknüpfung von knappgehaltener Sprache und tragikomischem Humor die Widersinnigkeit der menschlichen Existenz aufzeigen. Das Leben als Schein, als Spiel, in dem jedem Menschen eine Rolle zugeteilt wird und irgendwer, der Dichter, der Maler oder vielleicht sogar Gott der Spiritus rector ist.

Seine Bildschöpfungen machen, und daran wird es vor allem liegen, Charaktere, Beziehungen und Verhaltensweisen von Menschen durchschaubar. Widersprüche werden übertreibend bloßgelegt. Diese werden bis hin zu den Situationen kritisch, bisweilen auch karikaturhaft überzeichnet. Diese Handschrift spitzt zu und verzerrt charakteristische Züge, in denen sich Wesentliches der jeweiligen Erscheinungen ausdrückt. Eduardo Alves da Costa bleibt immer aber ein subtiler Beobachter, der über die vermeintliche Oberfläche auf das Innere orientiert. Seine Kompositionen konzentrieren sich auf die Interpretation von Gegensätzen, auf das Missverhältnis des Ziels zu den Mitteln, der Form zum Inhalt, der Handlung zu den Umständen, auf den Kontrast zwischen Altem und Neuem, Schönem und Hässlichem - besonders aber auf den Verlust des Gefühls für die Wirklichkeit.

Die Bilder geben einen emotionalen Zustand wieder, herausgelöst aus dem realen Zusammenhang und außerhalb von Zeit und Raum gestellt. Alves da Costa bildet eine Art von Theaterszene ab, in die er die Akteure stellt. Seine Figuren sind Teil der unmittelbaren Wirklichkeit, aber aus dieser herausgelöst, schwebend und mit einem absurden Unterton versehen. Immer aber bleiben sie eine symbolische Repräsentation der alltäglichen Situationen.

Wer die Werke von Alves da Costa kennt und sein Atelier in São Paulo besucht, wird überrascht sein: ein geschlossener Raum, verhangene Fenster, diffuses künstliches Licht. Das alles schafft wohl erst die erforderliche Distanz zu den Inhalten, auch zum Einsatz seiner Halbtonfarben, die, obwohl reduziert auf eine Grundfarbigkeit, im Farbklima insgesamt expressiv sind. Beispielhaft nutzt er die Intensität und Leuchtkraft der Farben für einen fast selbständigen Gestaltungswert, der sich organisch mit seinem Streben nach Einfachheit verbindet. Farbenfreudig sind seine Bilder, heiter, unbefangen und beeindruckend in der Reinheit des Blickes.

Seine frontal gesehenen Menschen sind äußerst absichtsvoll nur annähernd anatomisch richtig abgebildet, immer aber stimmungsgebunden an das jeweilige Milieu. Der Himmel seiner Landschaften ist häufig belebt, wie aus Papier ausgeschnitten hängen sie da, Wolken, Vögel, Engel, Mond, Affe, Ast, Leuchter, Fallschirmspringer. Alves da Costas ausgesprochen statische Auffassung wird besonders in den Gruppenbildnissen sichtbar. Seine Szenerie strahlt, trotz einer strengen linearen und flächigen Rhythmik in der Formgebung, Volumen und Perspektive aus.

Diese Malerei definiert einen ungewöhnlichen Ort jenseits von neuer Sachlichkeit und magischem Realismus. Südamerikanisches Temperament lebt sich in der sonnigen Farbigkeit und den lebendigen Sujets aus, nicht zuletzt wohl deshalb, weil für den Brasilianer "Originalität dann entsteht, wenn sie aus der Tradition schöpft".



Zurück