Erinnerungen
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. (Jean Paul)

Adolf Bastian

Altmeister der Ethnologie

Es war nicht viel, was sich die Staatlichen Museen zu Berlin vor einigen Jahren zum 100. Todestag von Adolf Bastian haben einfallen lassen. Dabei gäbe es einige gewichtige Gründe, die 500.000 Sammlungsobjekte aus den außereuropäischen Gebieten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Prächtig ließe sich über Bastians Auffassung streiten, daß die unterschiedlichen Kulturen aller Menschen gemeinsame Wurzeln besitzen, noch besser darüber, ob wir lernen müssen, dass Deutschland sich nicht mehr nur auf eine oder zwei Geschichten berufen kann - sondern auf viele.

Adolf Bastian war kein Trophäensammler. Er war ein Gelehrter, ein rastloser Forscher, der seine Zeit damit verbrachte, die letzten Zeugnisse fremder Kulturen vor der Zerstörung durch die westliche Zivilisation zu retten. Nach dem Studium von Medizin und Naturwissenschaften in Berlin, Heidelberg, Prag, Jena und Würzburg nahm er von 1851 bis 1859 noch als Schiffsarzt an Forschungsreisen nach Australien, Ozeanien, Nord-, Süd- und Mittelamerika, Süd- und Südostasien, Vorderasien, Ägypten, Süd- und Westafrika teil. Dann gab er den Arztberuf auf und widmete sich den Forschungen fremder Völker und Kulturen.

Spätestens seit der Herausgabe seines Werkes „Der Mensch in der Geschichte" im Jahre 1860, in dem er Grundlagen für eine auf psychologischen Aspekten aufgebaute Völkerkunde skizzierte, gilt Bastian als Begründer der modernen Völkerkunde. Acht Jahre danach wurde er zum Vorstand der ethnografischen Abteilung der Königlich-Preußischen Museen berufen. Diese Bestände, die seit 1850 im Neuen Museum auf der Museumsinsel untergebracht waren, gingen auf die Sammlungstätigkeit der brandenburgischen Kurfürsten zurück, für die neben Kunstwerken aus Europa auch Raritäten aus fernen Erdteilen gesammelt wurden.

Im Dezember 1886 bezog die inzwischen unter dem Namen „Museum für Völkerkunde“ geführte Sammlung das von den Architekten Ende & Böckmann entworfene Gebäude in der Königgrätzer Straße (heute Stresemannstraße). Adolf Bastian war der erste Direktor. Unter seiner Leitung wurden die Bestände durch Erwerbungen aus allen Teilen der Welt systematisch erweitert. Sein Museum wurde bedeutend und Vorbild für einige europäische Folgegründungen.

Nachzutragen ist, daß das „Museum für Völkerkunde“ während des Zweiten Weltkrieges ausbrannte. Obwohl 1955 im Sockelgeschoß wieder acht Räume eröffnet wurden, ließ der Berliner Senat die Ruine 1962/63 abbrechen. Die ausgelagerten und erhalten gebliebenen Sammlungsbestände führten die Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz - im ehemaligen Magazingebäude in Dahlem zusammen. In den bis 1970 geschaffenen Erweiterungsbauten der Dahlemer Museen in der Arnimallee 27 sind sie geblieben, zusammen mit den Museen für Ostasiatische und Indische Kunst, dort draußen an der Peripherie wird „das Fremde“ wohl auch weiterhin unter dem neuen Namen „"Ethnologisches Museum" auch bleiben.

Das Grab von Adolf Bastian (Ehrengrab seit 11.2.1952) befindet sich auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf, Block Trinitatis, Feld 21, Wahlstellen 153/154.


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