Erinnerungen
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. (Jean Paul)

Albert Einstein

Komm nach Caputh, pfeif auf die Welt!

Als der junge Architekt Konrad Wachsmann 1929 erfuhr, dass Albert Einstein ein Domizil in der Natur wollte, offerierte er dem Querdenker ein Holzhaus aus vorgefertigten Teilen. Die "Baubeschreibung zur Errichtung eines Landhauses für Herrn Professor Dr. Einstein" wurde bei der Gemeinde Caputh eingereicht, bis in den Herbst wurde gebaut und bereits am 4. Mai 1930 schrieb ein Nobelpreisträger für Physik die erste Eintragung ins Gästebuch: "Einer muß der erste sein, der sich in dieses Buch trägt ein. Darum, ohne viel zu grübeln, ob es Würd'gere mir verübeln, und trotz der mir eigenen Klaue setze ich an diese Stelle meinen Namen hin. - Max von Laue."

Auf ein Betonfundament waren zwei Baukörper in einer Art Fachwerkkonstruktion nach dem System der Firma Christoph & Unmack zu einem Holzhaus integriert worden. Während die Außenfassade mit waagerecht verlaufenden Holzbrettern verkleidet ist, wurden Wände und Decken im Innern mit Sperrholz- und Pinienplatten verschalt. Zimmerhohe Fenster mit weißen französischen Klappläden akzentuieren die rotbraune Holzfassade. Das Sommerhaus ist nicht geräumig. Mehr als zehn Leute verträgt es nicht. Über den Eingang an der Nordseite des Flachbaus gelangt man in die Diele und den großzügigen Wohnraum, dessen breitflügelige Tür den Weg zur überdachten Südterrasse freigibt. Nebenan, getrennt durch das Bad, der "Schlafraum der Dame" und der "Arbeits- und Schlafraum des Herrn". Beide nicht üppig bemessen, Bett, Tisch, Regal und Wandschrank, viel freier Raum ist nicht. Zum Berghang hin sind Küche und Gästetoilette untergebracht. Vom Erdgeschoss führt eine Treppe in den zweigeschossigen Baukörperteil. Dort befinden sich neben Bad und WC das "Mädchenzimmer", die "Schlaf- und Wohnzimmer" für Tochter und Gäste, allesamt klein und puppenstubenhaft, und der Zugang zur Dachterrasse, von der man über eine hölzerne Außentreppe auch das Gartenparterre erreicht. "Komm nach Caputh, pfeif auf die Welt", rief Einstein, und sie kamen, voran die Familie, aber auch viele Freunde und Kollegen. "Er hat sich auf sein Caputh eingestellt", schrieb Elsa Einstein, "ganz und gar. Lebt hier göttlich wie nirgends."

Am 10. Dezember 1932 reisten Einsteins über Antwerpen in die USA. Sie sahen Caputh nie wieder. Eine wechselvolle Geschichte für das Haus nahm nun ihren Lauf: Jüdisches Kinderheim, Hitlerjugend, Bund Deutscher Mädchen, Luftwaffendomizil, bis das Sommerhaus nach der Enteignung 1936 für 5000 Reichsmark der Gemeinde Caputh überlassen wurde. Ab 1961 stand im Grundbuch dann schließlich "Eigentum des Volkes".

Nach der Wende mussten die Eigentumsverhältnisse geklärt werden. Eine Erbengemeinschaft mit elf Parteien meldete sich, darunter mit dem größten Anteil die Hebräische Universität von Jerusalem. Vordergründig stritt man um das Eigentum, in Wirklichkeit aber waren vor allem wohl die erkennbaren Kosten für das dringend sanierungsbedürftige Haus im Blickfeld.

Die Kulturstiftung des Bundes und die Cornelsen-Stiftung erleichterten gewisse Entscheidungen und übernahmen schließlich mit je 250 000 Euro die Kosten für die Restaurierung dieser einzig noch erhaltenen Wohn- und Arbeitsstätte von Albert Einstein in Deutschland. Einen Monat vor der Wiedereröffnung am 22. Mai wirkt das Anwesen merkwürdig uninspiriert, noch ist nichts zu erahnen von jener Atmosphäre, die Einstein für seine Gäste zauberte. Er selbst wollte kein Museum, das hat auch das Potsdamer Einstein-Forum als zukünftiger Verwalter zu respektieren. Eine schwierige Aufgabe, zumal an Original eigentlich nur die Hülle geblieben ist. Nun soll das Sommerhaus vor allem dem "wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Diskurs" dienen.

Die Öffentlichkeit kommt nicht zu kurz: Ab 26. Mai 2005 öffnet sich das Gartentor jeweils donnerstags, samstags und sonntags von 10-18 Uhr. Eintritt und Führung sind jedoch nur nach Voranmeldung unter 0331/27 17 80 möglich.


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