Erinnerungen
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. (Jean Paul)

Hans Altmann

Ein vielseitig künstlerischer Schöpfergeist

Zum 40. Todestag des Architekten Hans Altmann / Planer des „Friedhofs der Gemeinde Friedenau“ im märkischen Güterfelde

GÜTERFELDE. Als der Platz auf dem eigenen Friedhof knapp wurde, beschloss die Gemeinde Friedenau in den Jahren 1909 und 1913 den Ankauf einer Fläche von 13,07 Hektar in der Gemarkung Gütergotz (Güterfelde) für eine weitere Bestattungsfläche.

Die Planung für das Gelände südwestlich des Südwestkirchhofs an der Landstraße zwischen Stahnsdorf und Potsdam wurde dem Architekten Hans Altmann übertragen. Im August 1913 fand die erste Beisetzung auf dem „Friedhof der Gemeinde Friedenau“ in Güterfelde statt.

Hans Altmann, geboren am 11. Dezember 1871 in Danzig, studierte in Berlin Architektur und wurde 1904 zum Friedenauer Gemeindebaurat ernannt. Nachdem er 1899/1900 das Königliche Staatsministerium geschaffen hatte, galt er in der Architekturwelt als „ideenreicher und vielseitig künstlerischer Schöpfergeist“ und „in Stein dichtender Baukünstler“. Seine Bauten prägen noch heute das Bild von Friedenau: Rheingau-Gymnasium, Paul-Natorp-Oberschule, Evangelisches Pfarr- und Gemeindehaus am Friedrich-Wilhelm-Platz, Bobertal-Oberund Ruppin-Grundschule.

Nach 1920 entstanden am Südwestkorso Wohnhäuser und nicht zuletzt jene Kapelle auf dem Friedhof in der Stubenrauchstraße, den sich neben Ferruccio Busoni und Helmut Newton auch Marlene Dietrich als letzte Ruhestätte gewünscht haben.

Typisch für all diese malerisch gruppierten Bauten sind eine ortsbildprägende Qualität und eine eigenständige Architekturhandschrift, die sich zwischen Historismus, Jugendstil und Moderne bewegt. Herausragend in jeder Hinsicht ist dabei das Friedenauer Rathaus mit dem auf die Ecke gesetzten Turm, das in den Jahren von 1913 bis 1917 erbaut wurde, und schon drei Jahre später mit der Bildung von Groß-Berlin im Jahre 1920 und der Eingliederung von Friedenau in den Stadtbezirk Schöneberg seine Funktion wieder verloren hatte.

Damit wurde der „Friedhof der Gemeinde Friedenau“ in Güterfelde zuerst zum „Waldfriedhof Schöneberg“ und 1935 mit der Berliner Verwaltungsreform zum „Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde“. So wird er sich wohl auch nicht mehr lange nennen, denn der aktuelle Friedhofentwicklungsplan des Landes Berlin weist die Anlage „langfristig als Grünfläche“ aus.

Eines muss bei allen Überlegungen in Berlin (und auch in Brandenburg) deutlich werden: der Südwestkirchhof Stahnsdorf von Louis Meyer, der Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf von Erwin Barth und der Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde von Hans Altmann sind ein ziemlich einzigartiges Friedhofsensemble, das über mehr als ein Jahrhundert hinweg die Entwicklung der Friedhöfe und die Veränderungen in der Bestattungskultur dokumentiert.

Wie umfangreich auch immer der gestalterische Einfluss von Altmann in Güterfelde war, baulich allemal, gärtnerisch ist nichts belegt, nicht nur auf der topographischen Karte der LGB Brandenburg kommt einem in den Sinn, dass die Anlage mit ihrem unregelmäßigen Grundriß und den imHalbrund geschwungenen Wegen viel mit dem Friedenauer Ortsgrundriss gemein hat. Hinter dem Haupttor öffnet sich ein halbkreisförmiger Platz. An seinen Flanken stehen die markanten Klinkerbauten von Altmann. Wohl abgewogen in den Dimensionen entsprechend ihrer Funktion, rechts das stattliche Verwaltungsgebäude, links das bescheidene Wohnhaus mit der verglasten Holzlaubenkonstruktion für den einstigen Blumenladen.

Vom Eingangstor führt der Hauptweg vorbei an repräsentativen Erbbegräbnissen. Hier wurde 1915 das einzige Mausoleum der Anlage für den afrikanischen Landbesitzer Kurt Hoffmann errichtet. Der „die Architektur des wilhelminischen Kaiserreichs verkörpernde Bau“ gehört für den brandenburgischen Denkmalschützer Marcus Cante „zu den größten, aufwändigsten und am besten erhaltenen Anlagen seiner Art imLand“.

Für den Mittelpunkt der Friedhofsanlage hat Hans Altmann eine überaus große Kapelle mit einer Klinkerfassade konzipiert, davor ein ovaler Platz, von dem alle anderen Wege zu den eher unauffälligen Gräbern hinführen. In Güterfelde wie in Friedenau, für die beiden Torbauten wie für die Kapelle zitierte der Architekt ohne Scham Formen vergangener Zeiten, aber, und das macht die Qualität dieses Baumeisters aus, er verwendet die Historie frei und kombiniert sie auf individuelle Weise.

Der Architekt Hans Altmann ist – trotz seiner in vieler Hinsicht herausragenden und immer noch existierenden Bauten – heute kaum noch bekannt. Er muss es geahnt haben. Am Rathaus in Friedenau hat er sich schon 1917 selbst mit einer Porträtbüste verewigt. Gestorben ist er am 27. Januar 1965 in Berlin.


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