Erinnerungen
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. (Jean Paul)

Hugo Conwentz

Begründer der Naturschutzbewegung

Viel findet sich über ihn nicht in der Ehrengräberliste des Landes Berlin: Conwentz, Prof. Hugo. 20.01.1855-12.05.1922. Begründer der Naturdenkmalpflege, Botaniker. Südwestkirchhof Stahnsdorf: Block Umbettung, Feld 17, Wahlstelle 178. Wer sein Grab sucht, muß da draußen weit wandern. Sarah Kirsch würde am Ende notieren: „Wo der Park mit dem Wald schläft“.

Hugo Wilhelm Conwentz gilt als Begründer der Naturschutzbewegung. Er kam aus schlichten Verhältnissen. Seine Eltern betrieben in Danzig eine Holz- und Kohlenhandlung. Nach dem Studium der Naturwissenschaften wirkte er ab 1876 am Botanischen Garten in Breslau. 1879 berief man ihn zum Leiter des Westpreußischen Provinzialmuseums Danzig, wo er sich mit der Inventarisierung der Naturdenkmäler einen Namen machte. Damit war Conwentz der geeignete Mann für die 1906 gegründete erste Naturschutzstelle in Deutschland: die Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen.

Bereits 1900 schrieb er in seinem „Forstbotanischen Merkbuch“: „Immer mehr wird das Antlitz der Natur in unserem Vaterland, wie in anderen Ländern, durch die fortschreitende Kultur verändert. Der Boden, welcher durch das Wirken der Naturkräfte im Laufe der Zeiten hervorgebracht ist, wird von Menschenhand wesentlich umgestaltet und häufig auch ganz zerstört. Soll nicht unser Volk der lebendigen Anschauung der Entwickelungsstadien der Natur gänzlich verlustig gehen, so ist es an der Zeit, die übrig gebliebenen hervorragenden Zeugen der Vergangenheit und bemerkenswerte Gebilde der Gegenwart im Gelände aufzusuchen, kennen zu lernen und möglichst zu schützen. Der Staat betrachtet es stets als eine seiner vornehmsten Aufgaben, neben den ihm anvertrauten materiellen, auch den ideellen Gütern seine Fürsorge zu widmen. Nicht allein bei uns, ist man zu der Überzeugung gelangt, daß ungesäumt etwas geschehen müsse, um einer völligen Vernichtung der ursprünglichen Natur in Zukunft vorzubeugen.“

Jetzt war seine Stunde gekommen. Der Staat, der sich seit langem um die Pflege und Erhaltung von frühzeitigen Kunst- und Kulturschätzen verdient gemacht hatte, sollte sich nun in gleicher Weise auch den Denkmälern der Natur zuwenden.

Der von Conwentz im Jahre 1904 mitbegründete „Bund Heimatschutz“ kümmerte sich um den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt und des Landschaftsbildes ebenso wie um die Denkmalpflege, die Volkskunst, Sitten, Gebräuche, Feste und Trachten und die Pflege der überlieferten ländlichen und bürgerlichen Bauweise. Seine Leitmotive waren das Konservieren des Natürlichen, der Schutz des Überlieferten vor der Industriemoderne und die Bewahrung des noch Vorhandenen, solange es noch möglich war.

1919 verankerte die Weimarer Republik den Natur- und Landschaftsschutz in der Verfassung, und zwei Jahre später bringt Conwentz die Möglichkeit, Naturschutzgebiete und Naturdenkmäler unter gesetzlichen Schutz zu stellen, in das Preußische Feld- und Forstpolizeigesetz ein. Im gleichen Jahr entstand auf 4.000 Hektar in der Lüneburger Heide der erste deutsche Naturschutzpark.

Der „Bundesverband Beruflicher Naturschutz“, der die Tradition des „Deutschen Ausschusses für Naturschutz" von 1925 heute fortsetzt, hat in Anerkennung seiner Leistungen die Hugo-Conwentz-Medaille gestiftet.

Das Grab von Hugo Conwentz (Ehrengrab) befindet sich auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf, Block Umbettung, Feld 17, Wahlstelle 178.


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