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Fehlt´s am Winde, so greif´zum Ruder. (Sprichwort)

Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, 1992

Schloss Wiepersdorf liegt da, „wo der Park mit dem Wald schläft". So jedenfalls ortet Sarah Kirsch in ihrem 1973 entstandenen Gedichtzyklus „Wiepersdorf“ die Lage des barocken Herrenhauses. Wiepersdorf mit seinen 200 Einwohnern gehörte einst zusammen mit den Dörfern Meinsdorf, Rinow, Herbersdorf, Weißen und Kossin zum „Ländeken" Bärwalde. Die nächste Kreisstadt mit Bahnanschluss nach Leipzig, Potsdam und Berlin heißt Jüterbog. Seit ewigen Zeiten sitzt dort das Militär. Ab und an gibt es auch einen Bus in das rund 20 Kilometer entfernte Dorf.

Der brandenburgische Ort, in dessen unmittelbarer Nähe die Bundesländer Brandenburg, Freistaat Sachsen und Sachsen-Anhalt aufeinandertreffen, liegt etwa eine Autostunde südlich von Berlin, genau in der Mitte zwischen den Autobahnen, die Leipzig und Dresden mit der Hauptstadt verbinden. Ob von Jüterbog, das zur Zeit der Romantik „Märkisches Mantua" genannt wunde, oder von Dahme, wo die prächtigen Anlagen von Schloss und Park längst dem Verfall überlassen worden, aus irgendeiner Richtung schafft die Bundesstraße 102 die nächste Verbindung zu einer Idylle.

Schloss Wiepersdorf wurde im September 1990 von der „Stiftung Kulturfonds" getragen. Träger waren seinerzeit die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, der Freistaat Sachsen und Thüringen.Das Haus von Ludwig Achim von Arnim und seiner Frau Bettina, dessen Gebäude und Parkanlagen der Enkel und Maler Achim von Arnim am Ende des 19. Jahrhunderts so umgestaltet hat, wie es der Betrachter heute vorfindet, wird seit dem 7. August 1992 als „Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf' geführt. Zum Gründungsdirektor wurde Peter Hahn ernannt. Unter seiner Leitung wurden 1991/92 Herrenhaus, Wirtschaftsgebäude, Orangerie und Park denkmalgerecht saniert. Der Historiker Jürgen Stich und der „Freundeskreis Schloss Wiepersdorf“ schufen im Erdgeschoss des Hauses die „Erinnerungsstätte Bettina und Ludwig Achim von Arnim". Die drei Räume geben neben einem historischen Abriss der Geschichte des ehemaligen Herrenhauses und einer Würdigung des gestalterischen Wirkens von Achim von Arnim vor allem Einblick in den Arnimschen Freundes- und Gesprächskreis mit Friedrich Carl von Savigny, Clemens Brentano und den Brüdern Grimm. Ein Zimmer mit zeitgenössischen Möbeln, Gemälden und Originaldokumenten würdigt das Wiepersdorfer Dichterpaar.

Als Sarah Kirsch Pfingsten 1973 zum ersten Mal nach Wiepersdorf kam, öffneten sich hinter Jüterbog „der erste, der zweite Himmel, ließen herabströmen, was sich gesammelt hat". Als sie nach dem Fall der Mauer wiederkam schien die Sonne mehr als genug. Im Gästebuch liest man unter dem 21. Juni 1992 nun den folgender Eintrag: „Ehrwürdiges Haus wiederum mit dem zwiefachen Dach - schön wirst du auch wieder in neuer anderer Zeit und ich bin wohl wieder hier. Im Junius bei den Fröschen Grillen und Motten. Ging gleich bis zum Zeus der die einzige Macht hat. In Bettines Haus."